Das LFG als Beispiel einer Mädchenschule
Das Liebfrauengymnasium heute
Das LFG früher
Der Leitspruch „Wer geführt werden muss, geht zum LFG“ zeigt die stark reglementierte Atmosphäre am LFG. Der sichere und geordnete Schulalltag am LFG wird im folgenden Tagesablauf deutlich.
Beispiel Tagesablauf
- Schülerinnen, die nicht im Internat sind, fahren mit dem Bus zur Schule und begegnen dort auch Jungen, die zum Mauritiusgymnasium gehen.
- Der Zugang zur Schule erfolgt über den Nebeneingang.
- Danach werden die Schülerinnen von den Schwestern kontrolliert.
- Nun stellen sie sich in Zweierreihen auf.
- Viele Schülerinnen ziehen sich um, weil sie in Hosen zur Schule kommen. Jedoch ist das Tragen von Röcken Pflicht.
- Die Schülerinnen kommen in den jeweiligen Klassen an, die teils aus 51 Schülerinnen bestehen.
- Beginn des Unterrichtes nach zwei verschiedenen Strängen, welche von den Schülerinnen frei gewählt werden können. Die Verteilung war ungefähr ausgeglichen.
- Hauswirtschaftlicher Zweig (gekennzeichnet mit „F“)
- Gymnasialer Zweig (gekennzeichnet mit „G“)
- Danach erfolgt qualifizierter Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern, wie Biologie, Chemie, Physik und Mathematik als Grundlage für spätere Berufsmöglichkeiten. Zudem werden auch Sprachen wie Deutsch oder Latein und gesellschaftliche Fächer unterrichtet.
- Im Sportunterricht werden die Schülerinnen mit Gymnastik und Spielen wie Brennball oder Völkerball gefördert. Dieser Unterricht ist in einer reinen Mädchengruppe oft entspannter als in gemischten Klassen.
- Der Schulunterricht endet und die Schülerinnen ziehen sich wieder um.
- Für die Internatsschülerinnen gehört die regelmäßige Beichte bei den Schwestern zum Alltag.
Regeln
- Auf den Fluren:
- Kein Drängeln
- Ruhe
- Kein Sprechen
- Kein Rennen auf den Fluren
- Gerades Sitzen im Unterricht
- Diszipliniertes Verhalten
⇒ Trotz der strengen Regeln vermittelten diese ein Gefühl von Sicherheit. Die Mädchen profitieren von einem persönlichen Umgang mit den Lehrkräften und der Fürsorge der Schwestern, doch gelichzeitig schränkt dies ihre freie Entfaltung ein.
Kleiderordnung
- Das Tragen von Röcken ist Pflicht
- Ärmellose Oberteile sind nicht erlaubt
Schulinhalte früher und heute im Vergleich
Früher | Heute |
Man konnte sich zwischen zwei Schwerpunkten für das Abitur entscheiden
| Neben sprachlichen Schwerpunkten (Deutsch, Englisch, Französisch, Latein (in der Oberstufe auch Spanisch)), auch zahlreiche gesellschaftswissenschaftliche Fächer (Geschichte, Erdkunde, Politik) |
Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie), Geschichte, Mathematik und Französisch wurden unterrichtet | Kreative Entfaltung in den Fächern Kunst, Musik und Sport |
Sportunterricht (Gymnastik, Schwimmen, Brennball, Völkerball) wurde auch nach dem Wandel des LFGs von einer Mädchenschule zu einer koedukativen Schule geschlechtergetrennt durchgeführt | Breites Angebot an Naturwissenschaftlichen Fächern (Mathematik, Informatik, Biologie, Chemie, Physik) |
Religion wurde unterrichtet (religiöser Hintergrund der Schule) | Religion wird weiter unterrichtet |
| In der Unter- und Mittelstufe wird morgens in der Klasse gebetet |
| Zahlreiche Angebote in Form von AGs: künstlerisch & musikalisch; naturwissenschaftlich & sportlich
|
Evaluation des Fächerangebots
Vergleicht man das Fächerangebot und die Stundenpläne des LFGs von früher und heute, fällt auf, dass es heutzutage eine größere Vielfalt an Fächern gibt. Nicht nur in der Sprache, sondern auch im Bereich der Naturwissenschaften zeigen sich Erweiterungen, die auch aus Gründen der Digitalisierung bzw. des technologischen Fortschritts entstanden sind, etwa das Fach Informatik.
Des Weiteren gibt es insbesondere im Fach „Sport“ eine größere Vielfalt an Themen, die über Gymnastik und Ballspiele hinaus sich intensiver mit Disziplinen der Leichtathletik und verschiedenster Arten des Tanzes beschäftigen.
Zusätzlich kann man heute zwischen mehreren Fächern in den Diff1 / Diff2 Kursen in der Unter-bzw. Mittelstufe unterscheiden und einen individuellen Fächerschwerpunkt zwischen Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Sprache in der Oberstufe auswählen, sowie Fächer (ab-)wählen.
Zwar bildet auch heute noch der Glaube eine wichtige Grundlage im Unterricht, jedoch ist dieser weniger streng und individueller ausgerichtet, was auch die (Lern-)Atmosphäre beeinflusst und auflockert.
Entwicklung zu einer geschlechterunabhängigen Schule
Mädchenschulen gaben Mädchen früher die Möglichkeit, Bildung zu erhalten.
Auch heute wird noch darüber diskutiert, ob monoedukative Schulen sinnvoll sind. Studien belegen, dass Mädchen in reinen Mädchenschulen oft bessere Leistungen zeigen, vor allem in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. Ohne von Jungen unter Druck gesetzt zu werden, können Mädchen bessere Leistungen erbringen.[1]
Der Wandel hin zu geschlechterunabhängigen Schulen verdeutlicht jedoch den Fortschritt in Richtung Chancengleichheit. Mit einer inklusiven und geschlechtergerechten Pädagogik können Schulen dazu beitragen, dass alle Kinder ihr Potenzial unabhängig von ihrem Geschlecht ausschöpfen können.[2]
Zugleich gibt es auch Argumente, die für monoedukative Ansätze sprechen. Forschungen zeigen, dass Mädchen in Mädchenschulen häufig bessere Leistungen erzielen, vor allem in Fächern wie Mathematik und Physik. Hier können sie ihre Fähigkeiten frei entfalten, ohne dass soziale Einschränkungen durch das andere Geschlecht im Weg stehen.[3]
Dennoch ist der Übergang zu geschlechterübergreifenden Bildungseinrichtungen ein großer Fortschritt in Richtung Gleichheit und Diversität. Laut Deutschlandfunk schaffen Schulen, die eine inklusivere Pädagogik verfolgen, eine Umgebung, in der Kinder ihr Potenzial unabhängig von geschlechtsspezifischen Rollenbildern entfalten können.[4]
[1] Vgl. https://www.news4teachers.de/2023/10/monoedukation-warum-maedchenschulen-auch-heute-noch-sinnvoll-sein-koennen-freie-entfaltung-von-talenten , zuletzt aufgerufen am 4.1.2025
[2] Vgl. https://www.deutschlandfunk.de/von-der-mitbeschulung-zur-koedukation-100.html , zuletzt aufgerufen am 4.1.2025
[3] Vgl. https://www.news4teachers.de/2023/10/monoedukation-warum-maedchenschulen-auch-heute-noch-sinnvoll-sein-koennen-freie-entfaltung-von-talenten/ , zuletzt aufgerufen am 4.1.2025
[4] Vgl. https://www.deutschlandfunk.de/von-der-mitbeschulung-zur-koedukation-100.html , zuletzt aufgerufen am 4.1.2025